Fliegende Pferde in Unterkatz

– Die Pferdedamen und der Pferdejunge stellen sich vor –

Wie im letzten Beitrag angekündigt, wollen wir diesmal genauer hinschauen, wer sich im „Heim“ um die pferdigen Gesellen sorgt und wie entsprechend der Alltag des Pferdejungen aussieht.

Natürlich ist das Arbeiten rund um die beiden Pferde auf freiwilliger Basis. Jedoch versteht es sich sicherlich von selbst, dass die Kids, die sich gerne am Pferd und auf dessen Rücken„austoben“ möchten, auch bei der Pflege und Versorgung der Tiere herangezogen werden. Von den elf betreuten Kindern/Jugendlichen beteiligen sich durchschnittlich sechs an dem Reit- und Trainingsangebot, welches derzeit mindestens einmal pro Woche fester Bestandteil unseres Alltags ist. Aber auch an den anderen Tagen wollen die beiden 4-Beiner versorgt sein.

Die Versorgung der Tiere wird im Rahmen sogenannter „Dienste“ geregelt. Jedes Kind der Wohngruppe hat für je eine Woche einen festen Dienst wie beispielsweise den Müll rausbringen, Abendbrot vorbereiten oder eben auch die Tierversorgung. Eines unserer Kinder wählt fast wöchentlich für sich die Tierversorgung und hatte auch zeitweise eine Art Patenschaft für die Tiere übernommen. Deswegen möchten wir Ihnen in diesem Artikel unseren Pferdjungen Felix (Name geändert) vorstellen.

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Kinder beim Putzen der Pferde

Felix ist zehn Jahre alt und lebt seit circa zwei Jahren in der Wohngruppe. Schon kurz nach seinem Einzug zeigte der Junge reges Interesse an allen Tieren, die in der heilpädagogischen Wohngruppe (kurz: HPWG) leben. Schnell lernte er das 1×1 des Putzens, sicheren Führens und Ausmistens. Auch auf den Pferderücken traute er sich nach kurzer Zeit. Besonders angetan hat es ihm Splash, die Felix aufgrund ihrer Größe symphytischer erscheint. Doch, so Felix: „würde ein Shetlandpony in der Wohngruppe leben, dann wäre die Splash aber sowas von abgeschrieben“. Besonders toll findet es der Junge im Westernsattel durch die Landschaft getragen zu werden und dabei seine Umwelt wahrzunehmen. Aber auch auf den Rücken des großen Osi, schwingt er sich gerne und reitet ihn an der Longe in allen Gangarten auf dem Platz. Galopp macht ihm am meisten Spaß: „Das ist fast wie Fliegen!“

Jeden Morgen vor der Schule geht Felix in den Stall beziehungsweise zur Koppel und kontrolliert, ob ausreichend Wasser und Futter vorhanden ist, sowie den augenscheinlichen Gesundheitszustand der Tiere. Nach Schule, Hausaufgaben, eventuellen Terminen und natürlich einer Spielzeit, geht es in den Wintermonaten ans Ausmisten, Paddock abäpfeln und Heu und Wasser auffüllen. Unterstützt wird er bei dieser anspruchsvollen Arbeit von einem weiteren Kind und/oder den Pädagogen. Insofern die Witterungsverhältnisse einen Koppelgang zulassen, unterstützt er bei Bedarf beim Führen.

In den Sommermonaten entfällt zwar das mühsame und zeitaufwendige Misten, jedoch ergeben sich andere Aufgaben, wie ausreichend Insektenschutz gewährleisten, häufigeres Wasser auffüllen und Koppel auf Schäden kontrollieren.

Ab und an kommt es vor, dass Felix die Tierversorgung „Zuviel“ wird und er sich eine Auszeit wünscht. Er wird dann von den anderen pferdebegeisterten Kindern abgelöst, übernimmt aber meistens schon eine Woche später, von sich aus, erneut die Tierversorgung.

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Felix mit Splash beim Führtraining

Im zweiten Teil dieses Berichtes stellen wir Ihnen nun die Pferdedamen vor, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den kleinen und großen Menschen der Wohngruppe, die Welt der Pferde etwas näher zu bringen und die sich daraus entwickelnden positiven Effekte in den Alltag zu transferieren:

Ich heiße Denise Oberländer und bin 23 Jahre alt. Nachdem ich mein duales Studium im Bereich Soziale Arbeit abgeschlossen hatte, begann ich in der HPWG „Hof Katzamühle“ der ISA KOMPASS GmbH zu arbeiten.
Schon von klein auf begeisterte ich mich für Pferde. Ich lernte die Arbeit mit und am Pferd immer mehr schätzen. Pferde sind sehr feinfühlige Wesen und spiegeln ihre Empfindungen schnell wieder. Wie sie mittels Körpersprache kommunizieren, hat mich schon immer fasziniert. Zudem macht es unfassbar Spaß und Freude eigene Fortschritte und die des Pferdes zu erleben. Auch das Vertrauen, was ein Pferd einem schenkt, ist ein tolles Gefühl. Für mich ist die Arbeit mit dem Pferd sehr ausgleichend, auch wenn sie zugleich sehr anspruchsvoll sein kann. Neben all dem, kommen der Spaß beim Reiten und die Schmuseeinheiten dazu, die das Gesamtpaket abrunden. Die Arbeit mit und am Pferd hält körperlich fit und ist ein super zusätzlicher Vorteil.

Umso mehr freue ich mich, diese Leidenschaft mit den Kindern und Jugendlichen zu teilen und selbst auch noch Vieles lernen zu können.

Mein Name ist Susanne Meukow und ich arbeite seit sechs Jahren in der ISA KOMPASS GmbH. Über kleinere Umwege hat es mich in die HPWG „Hof Katzamühle“ verschlagen – einen Ort, der mir die Möglichkeit gab, meine Affinität zu Pferden mit dem beruflichen Kontext zu verbinden. Schon seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit Pferden, hatte zeitweise Reitunterricht und Reitbeteiligungen. Konnte ich früher ohne Pferde und das ganze Drumherum nicht leben, bereitet es mir mittlerweile mehr Freude mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Equiden an Kinder weiterzugeben und dabei deren positiven Entwicklungsfortschritte in verschiedenen Bereichen zu beobachten. Um unsere Kinder noch gezielter fördern und unterstützen zu können, habe ich in diesem Jahr an einem Seminar zum Thema Konzentrationstraining mit Pferd teilgenommen. Um den Kindern dauerhaft die Möglichkeit zu geben, ihren Alltag mithilfe des Mediums Pferd zu gestalten, haben für mich der artgerechte Umgang und die Fürsorge unserer Partner Osi und Splash und somit die Aufrechterhaltung ihrer physischen und psychischen Gesundheit eine sehr hohe Priorität. Ich bin froh, dass sowohl die Kinder als auch unser Team dieses Interesse teilen und im Alltag unterstützen.

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Denis mit Susanne

Neben der Vorstellung des Pferdejungen und der Pferdedamen wollten wir Ihnen mit diesem Artikel verdeutlichen, dass nicht nur Felix im Alltag bei den Pferden eine riesengroße, wichtige und zuverlässige Unterstützung ist, sondern alle kleinen und großen Menschen ihren Beitrag dazu leisten, damit das Konzept der pferdgestützten Pädagogik funktionieren kann.

Doch wie sieht dieser „Beitrag“ aus? Heißt das, jedes Teammitglied muss mit Pferden arbeiten können, denn schließlich werden die Pferdedamen ja nicht täglich da sein? Und was ist, wenn jemand Angst vor solchen Tieren hat? Diese Fragen werden wir im nächsten Artikel aufklären, indem wir Ihnen einen Einblick in eine Coaching-Sitzung mit Pferd für die Pädagogen geben.